Das CIMET – ein 2. Zuhause in einer unruhigen Welt

Eindrücke aus dem Friedhofskinderprojekt in Sucre

Im Juni 2022 war ich zusammen mit meinem Sohn Jonathan 2 Wochen zu Besuch bei unserem Friedhofskinderprojekt in Sucre. Mit der Pandemie ist auch das Leben in Bolivien härter geworden. In Gesprächen mit vielen unterschiedlichen Menschen tauchte immer wieder auf, dass Korruption und Willkür in Staat, Justiz und Polizei sehr zugenommen haben, ebenso die häusliche Gewalt und auch die Kriminalität auf der Straße – das Leben ist noch unsicherer geworden. Im Kontrast dazu erlebte ich das CIMET als einen Ort, an dem die Kinder von den Erziehern liebevoll aufgenommen, unterstützt, gehört und ernst genommen werden.  Da ist Raum zum Lernen, Spielen, Musikmachen. Egal welches Problem, die Kinder finden einen Ansprechpartner. Auch für mich war es immer wieder eine Freude ins CIMET zu kommen und einfach dort zu sein, mit den Erziehern, Kindern und Jugendlichen zu lernen, zu spielen und zu sprechen. Es war ein Geschenk, wie selbstverständlich wir aufgenommen wurden in einer Welt, zu der wir normalerweise keinen Zugang hätten, die wir nicht kennen würden. Und so sind wir reich an Begegnungen, sehr beschenkt nach 2 Wochen wieder nach Hause gefahren.

Die Hausaufgabenbetreuung- Die schulische Unterstützung der Kinder und Jugendlichen ist nach wie vor sehr wichtig. Eine Gruppe von circa 20 Kindern nimmt regelmäßig daran teil. Einzelnen 6-7-jährigen konnte der  Online Unterricht nicht die Grundlagen des Lesens und Rechnens vermitteln. Sie brauchen ein besonderes Intensivierungsprogramm, das die Erzieher*innen gerade ausarbeiten. Sie sind teilweise ganz normal in die 2 Klasse vorgerückt, ohne die dafür erforderlichen Kenntnisse mitzubringen. Zum Glück war in der Zeit von Februar bis Juli wieder Präsenzunterricht. Wir hoffen sehr, dass im Herbst nicht erneut pandemiebedingt Online Unterricht notwendig sein wird. Nach wie vor sind aber wlane und Computer, die das CIMET zur Verfügung stellt für viele Schüler und Studenten sehr wichtig.

Das Stipendienprojekt - Es wurde dieses Jahr entsprechend der sozialen Bedürftigkeit eine neue Gruppe von 11 Studierenden gebildet, die ein Stipendium erhalten. Sie sind im 1 oder 2. Studienjahr und studieren z.B. Buchführung, Wirtschaft, Kommunikation, Pädagogik, werden Ingenieur oder machen eine Ausbildung in der Gastronomie.  Francisco, als Erzieher verantwortlich für die Gruppe beschreibt sie als sehr engagiert und ist optimistisch, dass sie ihre Sache gut machen werden. Sie erhalten umgerechnet 43 Euro pro Monat und engagieren sich dafür 8 Stunden im Monat im Projekt in den Bereichen Hausaufgabenhilfe, Küche, im Gewächshaus und bei der Reinigung des Hauses. Sie sind sehr dankbar für die Unterstützung und ich soll allen, die unser Projekt unterstützen tausend Dank dafür sagen. Das Geld hilft ihnen bei Ausgaben für Materialien für das Studium, für öffentliche Verkehrsmittel und auch für Essen und Kleidung.

Psychologie - Seit diesem Jahr unterstützt eine Psychologin regelmäßig unser Team. Neben psychologischen Tests (um z.B. Entwicklungsverzögerungen und Lernstörungen zu diagnostizieren), finden Einzeltherapiegespräche statt und auch regelmäßige Workshops, z.B. je nach Altersgruppe zu Themen wie Gewalt und sexuellem Missbrauch als Präventionsarbeit.

Das Team der Erzieherinnen und Erzieher

Wilder (1. von rechts) arbeitet bereits seit 7 Jahren als Erzieher im Projekt. Deshalb kennt er viele Kinder und ihre Geschichte sehr gut. Er ist dieses Jahr Direktor geworden und arbeitet sich gerade in diese Aufgabe ein. Er ist sehr kommunikativ und hat ein gutes Gespür, sowohl für die Kinder, als auch für die anderen ErzieherInnen im Team. In seiner fröhlichen Art verbreitet er eine gute Atmosphäre. Miriam (1. von links) ist für das Gewächshaus zuständig und bringt sich gerne auch in anderen Bereichen des Projekts ein. Für Francisco (2. von links) ist das CIMET seine 1. Arbeitsstelle. Er arbeitet mit viel Interesse und Engagement. Er ist verantwortlich für die Jugendlichen des Stipendienprojekts. Er ist seit März 2022 im CIMET und hat bereits ein kleines Theaterstück einstudiert. Ausserdem sind noch beschäftigt: Miriam im Gewächshaus, Jenny für die Hausaufgabenhilfe, Angela als Koordinatorin, Mariza als Psychologin, Nilda für die Friedhofsarbeit und vor allen - und das seit 25 Jahren - unsere Köchin Agustina. 

Die Hausaufgabenhilfe

Pedro (links vorne) ist eines der Kinder, die während der Corona Zeit die Grundlagen des Lesens und Rechnens nicht ausreichend mitbekommen haben. Er braucht intensivere Betreuung, ist aber ein schlaues Kerlchen. Ich habe intensiv an einigen Tagen mit ihm geübt und er hat super mitgemacht. Angel (rechts im Bild) wird eventuell die Schule wechseln und ein Förderzentrum besuchen. Unsere Psychologin ist dabei, das in die Wege zu leiten.

Die Musikgruppe 

Nachdem im Winter etliche ältere Jugendliche nach Chile gingen, um dort zu arbeiten, musste sich die Musikgruppe neuformieren. Unsere Musiklehrer Rene und Tico begeistern die Kinder für die Musik und integrieren alle, die Lust haben nach ihren Möglichkeiten. Das Spielen macht viel Spaß und stärkt die Gemeinschaft. Auf dem Pfarrfest hatten die Kinder einen Auftritt und durften ihr bisher Erlerntes präsentieren.

Die Freiwilligen

Eine Gruppe von Jugendlichen aus dem CIMET haben sich in einer Freiwilligengruppe zusammengeschlossen. Sie helfen im Bereich des CIMET, der Pfarrei oder auch bei anderen Projekten des Trinitarierorden, wenn praktische Hilfe gefragt ist (z.B. Streichen der Wände im CIMET, Gartenarbeit in Pitantorilla, im Internat der Trinitarier auf dem Land oder das Bringen von Essenspaketen zu den kleineren Gefängnissen auf dem Land). Einmal im Monat treffen sie sich zu einem gemeinsamen Essen und Zusammensein, als Freundeskreis. Norma (oben, 2. von links) erklärte mir: „Wenn Ihr uns helft, macht es Euch Freude. Genauso macht es uns Freude, wenn wir hier helfen können und etwas von dem weitergeben können, was wir bekommen haben.“ Ist das nicht ein tolles Motto, auch für uns weiterzumachen?

Gisela Hörner, Boliviengruppe des Lorenzer Ladens

Bildrechte: Gisela Hörner