Jahresbericht für Spender - Das Jahr 2025 im CIMET
erst einmal möchte ich mich im Namen aller Kinder und Jugendlichen des Cimet von Herzen für die treue und großzügige Unterstützung bedanken, die Sie uns in diesem Jahr wieder gegeben haben und die es uns ermöglichte unsere Arbeit fortzusetzen!
In unserem neuen Erzieherteam arbeiten nun auch drei junge Frauen mit, die selbst in unserem Projekt aufgewachsen sind. Rosmery, eine ehemalige Stipendiatin, die Buchhaltung studiert hat, betreut aktuell die Gruppe der StipendiatInnen und macht ein Praktikum in der Buchhaltung des Trinitarierordens. Bei einem Zoomtreffen zwischen der Boliviengruppe und der gesamten Erziehergruppe dankte sie uns sehr emotional unter Tränen für alles, was sie durch unser Projekt an Gutem erfahren hat. Für uns war das ein sehr berührender Moment.
Die politische Situation – Vor allem die wirtschaftliche Situation Boliviens hat sich innerhalb der letzten Jahre sehr verschlechtert – eine hohe Inflation, Engpässe bei Benzin, Lebensmitteln und Medikamenten waren an der Tageordnung. Nicht wenige ehemalige Friedhofskinder wanderten nach Chile aus, um dort zu arbeiten. Da es auch dort zunehmend schwierig wurde Arbeit zu finden, kehrten etliche in letzter Zeit wieder zurück. Im November wurde nun die seit 20 Jahren regierende Linksregierung abgelöst. Gewählt wurde Rodrigo Paz, ein moderater Reformer und Christdemokrat. Die Bolivianer setzen große Hoffnungen auf ihn.
Neue Geschäftsideen sind deshalb auch im Cimet ein großes Thema. Eine Initiative des Trinitarierordens, in Zusammenarbeit mit dem Cimet, die aktuell noch in den Kinderschuhen steckt, ist es, auf dem Landgut des Trinitiarierordens, genannt Pitantorilla, ein Tourismusprojekt entstehen zu lassen. Angedacht sind Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten für Touristen, Schulklassen und kirchliche Gruppen. Koordiniert werden soll das Projekt von Studierenden aus dem Bereich Tourismus.
Die Direktorin Aracely initiierte im Cimet ein Handarbeitsprojekt für Mädchen das zunächst Basiskenntnisse vermitteln soll. Die entstehenden Produkte können später verkauft werden.
Das Grundstück des Hauses der Freunde gehört der Stadt und um dort weiterzuarbeiten, benötigten wir eine Verlängerung durch die Stadt. Wichtig in diesem Prozess war, dass die Friedhofskinder sich sehr aktiv für den Fortbestand des Projektes einsetzten. Nachbarn zeigten Interesse, das Haus der Freunde in Zukunft für einen Gesundheitsposten zu verwenden. Als sie zur Besichtigung kamen, verweigerten Jugendliche und ErzieherInnen den Zutritt. Im November sagten mehrere Jugendliche vor dem Stadtrat aus, warum ihnen das Cimet so wichtig sei. Der Bürgermeister besuchte sie im Anschluss auf dem Friedhof. Das Ganze lief insgesamt sehr gut. Es gibt nun eine Zusage der Stadt für eine Verlängerung um weitere 20 Jahre. Die Trinitarier hoffen, dass der Vorgang bald abgeschlossen sein wird und sie die Verlängerung schriftlich erhalten.
Die Hausaufgabenbetreuung, die Musikgruppe, das Gewächshaus, das tägliche Mittagessen und die Freizeitangebote zu Sport und Spiel gingen dieses Jahr wie gewohnt weiter.
Frauenprojekt-Alma de Mujer (die Seele der Frau)
Da das Bold Projekt aus München seine Unterstützung fortsetzte, konnten wir auch in diesem Jahr das Frauenprojekt weiterführen. Wir sind sehr dankbar dafür!
Zu Beginn des Jahres gab es Gesprächsrunden für die Jugendlichen und auch mit den Eltern. Am Tag der Schüler fand ein Ausflug aufs Landgut Pitantorilla statt. Neben Spiel und Spaß gab es Workshops zu den Themen "Wertschätzung und Rechte von Frauen" und "Problematik der Gewalt gegen Frauen". Ziel des Workshops war das Schaffen eines zunehmenden Bewusstseins für diese schwierigen Themen.
Es gelang Matilde Casazola- eine in ganz Bolivien bekannte Dichterin, Sängerin und Komponistin- für einen Gedichtwettbewerb zu gewinnen. Die Mädchen und Jungen wurden angeregt, ihre Erfahrungen, Träume und Sehnsüchte in Form eines Gedichtes auszudrücken. Es entstanden poetische, zum Teil für uns sehr erschreckende Texte, die die starke Präsenz der Gewalt gegen Frauen in der bolivianischen Gesellschaft zum Ausdruck und bisher Verschwiegenes ans Licht brachten. M. Casazola war als Jurorin des Wettbewerbs sehr beeindruckt und lud die TeilnehmerInnen zu sich nach Hause ein.
Hier ein Beispiel für eines der entstandenen Gedichte:
Heute möchte ich Euch meine Geschichte erzählen
Ich dachte in einer Partnerschaft zu leben,
das wäre rosarot,
bis ich es erlebte
Am Anfang war alles schön,
Glück, Versprechungen, Träume,
eine Zukunft zu gestalten.
Danach verdunkelte sich alles
und nichts war wie zuvor.
Jeden Tag gab es Beleidigungen, Schläge,
Schreie.
Ich sah meine Träume, mein Leben zu Ende
gehen,
ertrunken in meinen Tränen,
fragte ich mich...
Ob ich eines Tages aus der Hölle entkäme,
in der ich war.
Es kam aber der Tag, an dem ich entschied
mich selbst zu lieben
und aus diesem Leid auszusteigen.
Endlich konnte ich die Freiheit spüren
Die Freude trotz der Narben
Ich konnte spüren
Wie meine Flügel erneut flogen
Maria
Unsere 16 StipendiatInnen nahmen neben anderen auch am diesjährigen Tanz- und Theaterworkshop zum Thema "Gewalt gegen Frauen-Würde und Wert der Frau" teil. Neben Tanz- und Musikaufführungen spielten sie die reale Geschichte einer Frau, die Gewalt durch ihren Bruder innerhalb der Familie erlebte und durch einen Femizid ums Leben kam. Die Aufführung muss sehr beeindruckend gewesen sein.
Es gab insgesamt viel Zuspruch und Interesse an dem Projekt und den Angeboten. Der Fokus auf das Frauenthema war viel intensiver als im Jahr zuvor. Die Erzieherinnen denken, dass das Bewusstmachen des Wertes der Frau und des Respektes ihr gegenüber in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auch in Zukunft von großer Bedeutung sein wird.
In diesem Sinne ein herzliches Dankeschön, dass Sie mit Ihren Spenden und Ihrer Anteilnahme dieses gesamte Projekt ermöglichen.
Gisela Hörner und die Boliviengruppe des Lorenzer Ladens
Bankverbindung: Sparkasse Nürnberg, IBAN DE58 7605 0101 0015 5865 48, BIC: SSKNDE77XXX
Hier noch einige Eindrücke vom Friedhof in Sucre, dem Arbeitsplatz der Kinder und Jugendlichen unseres Projekts: